Ein Kinderlachen, weit weg. Nicht im Raum, nicht im Tag —
als ob die Wände sich an einen Garten erinnern, den sie nie hatten.
Ein Kastanienbaum überspannte einst die Straße,
ein dichtes grünes Dach bis zur Traufe.
Gegenüber dem Eingang spuckte ein Löwenkopf Wasser in einen tiefen Kelch,
und das Herbstlaub verstopfte ihn immer wieder,
bis ich mit meinem langen Arm hineingriff,
um es zurück ans Tageslicht zu ziehen.
Die Linde an der Hausecke verströmte ihren süßen Duft,
kleine Blütenpropeller trieben herab,
langsam, als träume die Zeit.
Im Korridor ein Geruch von feuchter Wolle und altem Brot.
Licht, das flackert wie ein müdes Auge,
Türen halb geschlossen, jede mit ihrem eigenen Atem dahinter.
Schritte, die nicht auftreten — sie schweben, sie zögern,
und die Luft fühlt sich inszeniert an, wie ein Bühnenbild, das auf einen Satz wartet, den niemand mehr kennt.
Ein Telefon klingelt irgendwo und verstummt, bevor jemand abnimmt.
Ein Glas klirrt zitternd auf einem Regal ohne Grund.
Eine Hand berührt die Tapete und sie pellt sich wie Haut nach dem Fieber.
In der Ecke ein Koffer, der niemandem gehört,
und ein Schlüssel, der auf nichts passt, was jemand zugeben könnte.
Ein Spiegel, der nicht spiegelt.
Nur ein trüber Bluterguss aus Bewegung,
eine Gestalt, die sich weigert, ich zu werden.
Ich hebe die Hand und der Spiegel hält Abstand.
Ich lächle und der Spiegel bleibt leer.
Die Straße mit nassem Asphalt, gelb gefärbt vom gefallenen Laub.
Ein Hund, der mich beobachtet, als kenne er das Ende.
Der Geruch jenes Fremden, scharf wie Metall.
Jemand sagte: Geh da nicht rein,
und die Tür öffnete sich wie ein rückwärts gesprochenes Gebet.
Auf dem Boden des Korridors sitzend, lauschend,
wartend, dass die Schuld eintrifft wie Schritte —
doch sie kommt wie Nebel, und ist schon überall.
Mein offner Mund schmeckt nach Rauch.
Geschlossene Augen sehen eine Tür in den Rippen.
Jemand drängt zu sagen: Es wurde nie gelogen.
Jemand drängt zu sagen: Keine Grausamkeit war gemeint.
Doch der Korridor verlängert sich weiter,
und der Spiegel weigert sich weiter,
und das Lachen treibt davon, dünner, ferner,
wie ein Signal aus einem anderen Leben, auf das sich niemand mehr einstellen kann.
Ich kam hierher, um zu beichten, was sich nicht bestätigen lässt.
Ich kam hierher, um zurückzugeben, was nie genommen wurde.
Wenn du mich siehst, schau noch einmal — schau unter die Haut.
Es ist nicht gewiss, wer es getan hat.
Der zweite Korridor ist kälter, fast sauber,
wie ein Krankenhaus, das gelernt hat, seine Nadeln zu verstecken.
Eine Uhr ohne Zeiger tickt.
Ein Fenster zeigt dieselbe Nacht aus jedem Winkel.
Eine Fotografie, mit dem Gesicht nach unten auf einem Tisch.
Umgedreht sind die Gesichter verwischt,
als hätte jemand sie hastig mit dem Daumen ausradiert.
Das Papier an die Brust gedrückt, um ihm Wärme zu stehlen —
es bleibt tot.
Irgendwo hinter einer Tür murmelt ein Fernseher,
eine Stimme, die Preise aufzählt, Namen, Wetter,
als ließe sich die Welt durch Erzählen zusammenhalten.
Ein Ohr ans Holz gedrückt hört nichts Menschliches,
nur das leise elektrische Zischen des Wartens.
Die Klinke dreht sich nicht.
Oder sie dreht sich und die Hand nicht.
Nicht zu sagen, welche Version gerade gelebt wird.
Mein Vorname — ich versuche, mich an ihn zu erinnern wie an ein Lied,
doch die Melodie entgleitet, und die Worte gehören nicht dazu.
Laut ausgesprochen klingt er geliehen,
wie Kleidung aus dem Fundbüro.
Ich stehe wieder vor dem Spiegel, der nicht spiegelt,
und flüstere: „Ich habe gelernt, dass mein Name ein Kostüm war.”
Der Satz hängt dort wie ein Haken,
und etwas im Inneren löst sich — keine Erleichterung, kein Schmerz,
nur das leise Reißen eines Fadens.
Das Kinderlachen kehrt für eine Sekunde zurück,
näher jetzt, von hinten,
und als der Körper sich umdreht, ist da nur der Korridor,
lang und gehorsam,
nach vorne führend wie eine Hand im Nacken.
Um Vergebung wird nicht gebeten.
Nur dies: Was war meins, bevor ich es aufgeführt habe?
Wenn der Spiegel leer bleibt, sagt er vielleicht die Wahrheit.